Kurzantwort: Bleirohre geben gesundheitsschädliches Blei ans Trinkwasser ab. In Münsteraner Altbauten können sie noch vorhanden sein. Lassen Sie Ihr Trinkwasser analysieren und tauschen Sie Bleileitungen umgehend aus - das ist in Deutschland für vermietete Wohnungen seit 2013 Pflicht.
Warum sind Bleirohre gefährlich?
Blei ist ein giftiges Schwermetall, das bereits in geringen Mengen gesundheitliche Schäden verursacht - insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern und Schwangeren. Blei löst sich langsam aus alten Bleileitungen ins Trinkwasser, besonders wenn das Wasser weich ist oder länger in der Leitung steht. Die Trinkwasserverordnung schreibt seit 2013 einen Grenzwert von 0,010 mg/l vor. Alte Bleileitungen überschreiten diesen Wert regelmäßig.
Wann wurden Bleirohre in Deutschland verbaut?
Bleileitungen wurden in Deutschland bis in die 1970er Jahre hinein in Hausinstallationen eingebaut. In Münster betrifft das vor allem Häuser aus der Gründerzeit (bis 1914) sowie Bauten aus der Nachkriegszeit bis etwa 1960. In einigen Altbauten wurden Bleileitungen zwar bereits ausgetauscht, in anderen nicht - gerade bei untergekellerten Häusern und alten Mietshäusern in der Innenstadt und in Mauritz ist ein Verdacht berechtigt.
Wie erkenne ich Bleirohre?
Bleileitungen lassen sich durch einige Merkmale identifizieren:
- Farbe und Oberfläche: Blei ist silbrig-grau und hat eine matte, leicht stumpfe Oberfläche - im Gegensatz zu glänzendem Kupfer oder dem hellgrauen Kunststoff moderner Rohre.
- Weichheit: Blei lässt sich mit einem Fingernagel einritzen oder leicht biegen - Kupfer und Stahl nicht.
- Lötstellen: Bleileitungen wurden mit runden, wulstigen Wischnahtlötungen verbunden, die für Kupfer und Stahl untypisch sind.
- Lage: In der Regel im Keller, zwischen Wassereinführung und Steigleitungen, oder in der Wohnung als kurze Verbindungsstücke an Armaturen.
Sind Sie unsicher, können Sie eine kleine Feile an einer versteckten Stelle ansetzen: Blankes Blei hat einen charakteristischen silberglänzenden Schnitt. Oder beauftragen Sie einen Installateur mit einer Sichtprüfung.
Trinkwasseranalyse: Sicherheit durch Messung
Die zuverlässigste Methode ist eine Trinkwasseranalyse durch ein akkreditiertes Labor. In Münster bieten die Stadtwerke sowie mehrere private Labore entsprechende Checks an. Die Kosten liegen bei 30 bis 80 Euro. Wichtig: Nehmen Sie eine Stagnationsprobe - also Wasser, das mindestens 4 Stunden in der Leitung gestanden hat. Nur diese Probe zeigt den tatsächlichen Bleieintrag.
Sanierung: Austausch ist die einzige sichere Lösung
Filterpitcher oder Spülen vor dem Trinken sind keine dauerhaften Lösungen - sie reduzieren die Belastung, beseitigen sie aber nicht. Der vollständige Rohraustausch ist die einzige zuverlässige Maßnahme:
- Im Keller werden die alten Bleileitungen durch Kupfer-, Edelstahl- oder Kunststoffrohre ersetzt.
- Kurzstücke an Armaturen werden durch moderne Verbindungsstücke substituiert.
- Nach dem Austausch sollte eine erneute Wasserprobe zeigen, dass der Grenzwert unterschritten wird.
Wer muss handeln: Mieter oder Vermieter?
Vermieter sind in Deutschland gesetzlich verpflichtet, Bleileitungen in Mietwohnungen zu entfernen. Die Kosten trägt grundsätzlich der Vermieter. Lassen Sie als Mieter den Verdacht auf Bleileitungen durch eine Wasseranalyse prüfen und fordern Sie den Vermieter schriftlich zur Sanierung auf. Reagiert er nicht, können Sie das Gesundheitsamt Münster einschalten, das die Einhaltung der Trinkwasserverordnung überwacht.